Musikalische SchätzE alter Meister
Werke von Krieger, Cima, Schein, Biber und Telemann
Tabea Nolte, Alt
Adina Scheyhing, Viola da gamba
Judith Mac-Carty, Barockvioline
Prof. Carsten Lorenz, Orgel
Pfr. Dr. Marcus Held, Impuls
Die in Lahr ansässige Altistin Tabea Nolte bringt gemeinsam mit drei Barockmusikern aus der Region Muikalische Schätz alter Meister zum Klingen. Musik von Buxtehude, Erlebach, Schein und Schütz für Barockvioline (Judith Mac-Carty), Viola da gamba (Adina Scheyhing) und Orgel (Prof. Carsten Lorenz) stehen im Mittelpunkt dieser Stunde der Kirchenmusik.
Pfarrer Dr. Marcus Held gestaltet die Liturgie. Eintritt frei.

Zum Programm: Cima, Viadana, Riccio
Alle drei italienischen Komponisten lebten und wirkten am Übergang von der Renaissance zur Barockzeit. Viadana wirkte in Rom, Mantua und weiteren Städten, Riccio und Cima hingegen blieben zeitlebens in Venedig bzw. Mailand. In dieser Epoche entwickelte sich aus dem Gesangsstück Canzon heraus das erste instrumentale Werke namens Sonata. Die Begriffe waren noch nicht scharf abgegrenzt: Das Gesangsstück blieb geistliches Konzert, die begleitenden Instrumente wurden als Canzon bezeichnet. Die Zuordnung der Instrumente war zeitbedingt vorwiegend stimmlagenbezogen, nicht jedoch auf Gattung festgelegt, da es noch keine idiomatischen Besonderheiten einzelner Instrumente gab. So ist die heute erklingende Sonata á 2 von Cima mit der Besetzung „Cornetto e Trombone overo Violino e Violone“ überschrieben.
In seinen Kirchensonaten schuf Cima frühe Triosonaten und setzte die Violine erstmals explizit als Soloinstrument ein. Viadana war der erste bedeutende Komponist, der die neu entwickelte Technik des bezifferten Basses in seinen Concerti op. 12 nutzte.
Die fünfzehn Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber (um 1674) zählen zu den eindrucksvollsten Schöpfungen barocker Musik. Die Rosenkranzsonaten bilden ein faszinierendes zyklisches Werk und nehmen durch den Einsatz von vierzehn verschiedenen Violin-Stimmungen (Skordaturen) eine einmalige Stellung in der Geschichte des Violinspiels ein.
Jeder Sonate ist ein Kupferstich in Form eines Medaillons vorangestellt, der ein Ereignis aus dem Leben Marias und ihres Sohnes Jesus Christus abbildet. Biber entnahm die Bilder einem Rosenkranz-Bruderschaftszettel und fügte sie in die sorgfältig geschriebene Widmungshandschrift für seinen Dienstherrn, Fürsterzbischof Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg (reg. 1668-1687), ein.
Jede Sonate lässt beim Zuhören innere Bilder entstehen. Das Bild zur Sonate IV „Darstellung Jesu im Tempel“ schließt direkt an die Weihnachtsgeschichte im Lukas-Evangelium (Lukas 2, 22ff.) an. Jesus wird von seinen Eltern in den Tempel in Jerusalem gebracht, um ihn dem Herrn darzustellen. Dort sehen der alte Simeon und Hannah den Heiland. Biber wählt für die Sonate Form der Ciacona – ein Variationssatz auf einem sich wiederholenden Harmonieschema des Basses – die als eine sehr beliebte barocke Form fast in eine Trance durch die ständige Wiederholung führt. Die Stimmung der Violine besteht in dieser Sonate nur aus zwei verschiedenen Tönen (a-d’-a’-d’‘) wodurch besonders starke Resonanz-Effekte auf dem Instrument entstehen. Die Variationen folgen dem Aufbau einer inneren Dynamik und der daraus resultierenden Bewegung durch Steigerung und Zurücknahme.
